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Berkefeld Geschichte

Die aufregende Geschichte der Keramik-Trinkwasserfiltration

Man geht davon aus, dass John Doulton und sein Sohn Henry (der berühmte englische Porzellan- und Töpfermeister) bereits 1827 den keramischen Wasserfilter erfanden, um Bakterien aus dem Trinkwasser zu entfernen. Die Geschichte ist sehr spannend – in den drei zu dieser Zeit führenden Nationen Europas wurden parallel ähnliche Verfahren zur Wasserreinigung entwickelt.

Vater John Doulton gründete seine erste Töpferei im Jahr 1815. Bereits 1827 entwickelte sein Sohn Henry Doulton Keramikfilter zur Entfernung von Bakterien aus dem Trinkwasser. Denn die Themse war durch Rohabwasser stark verunreinigt, Cholera- und Typhusepidemien grassierten.

Königin Victoria wurde am 24. Mai 1819 geboren.Sie war ein rüstiges Mädchen von 18 Jahren, als sie 1837 den Thron bestieg, und heiratete drei Jahre später ihren geliebten Prinz Albert. Die Geschichte ihres frühen Lebens als Königin, hingebungsvolle Ehefrau und Mutter von neun Kindern hat die Welt in ihren Bann gezogen. Die Viktorianer erfreuten sich an der Weltausstellung von 1851, die Prinz Albert mitorganisiert hatte. Der Erfolg dieser ersten Weltausstellung führte zur Gründung des Victoria & Albert Museums in London.

Das englische Ritual des Afternoon Tea wurde von einer der Hofdamen von Königin Victoria ins Leben gerufen, und es gibt viele Fotos, die ihre Majestät beim Tee mit ihrer Familie und Freunden zeigen. Die britische Keramikindustrie reagierte darauf mit einer riesigen Auswahl an Teekannen und Services für das Lieblingsgetränk der Nation.

Als Prinz Albert 1861 an Typhus starb, versank Königin Victoria in tiefe Trauer und zog sich für viele Jahre aus dem öffentlichen Leben zurück. Sie trug für den Rest ihres Lebens Schwarz und ihre Zurückgezogenheit brachte ihr den Spitznamen “Witwe von Windsor” ein. In dieser Zeit erlangte die Doulton Pottery in Lambetdurch den Erfolg ihrer Kunstgegenstände auf internationalen Ausstellungen große Bekanntheit. 

Am 21. Dezember 1885 wurde Henry Doulton eine noch nie dagewesene Ehre zuteil, als der Prinz von Wales nach Lambeth kam, um ihm vor den Augen seiner Belegschaft die Albert-Medaille der Society of Arts zu überreichen. Die von Mark Marshall entworfene Vase mit der Albert-Medaille ist heute ein Highlight der Royal-Doulton-Galerie im Wiener Museum of Decorative Arts.

1887 wurde Sir Henry Doulton von Königin Victoria zum Ritter geschlagen und war damit der erste Töpfer, dem diese Ehre zuteil wurde. Die lange Regentschaft der Königin löste im gesamten Britischen Empire große Freude über die Jubiläumsfeierlichkeiten aus. Als Königin Victoria 1901 im Alter von 81 Jahren starb, war die Trauer groß und überall auf der Welt wurden Denkmäler errichtet. John Broad, der Bildhauer von Doulton in Lambeth, stellte sie in Steinzeug dar und schuf auch lebensgroße Terrakottastatuen der Königin in Begleitung ihrer Wächterlöwen. Kurz nach dem Tod der Königin verlieh König Edward der Firma den königlichen Titel und das Privileg, den Namen Royal Doulton zu tragen.

Königin Victoria beauftragte Henry mit der Herstellung eines Wasserfilters für den königlichen Haushalt. Seine Forschungs- und Entwicklungsabteilung entwickelte mikroporöse Keramik Kartuschen, die Bakterien mit einer Effizienz von mehr als 99 % entfernen konnten. Diese Keramik wird seit XXXXX in den British Berkefeld Schwerkraftfiltern verwendet und ist in über 150 Ländern im Einsatz. Wir konnten bisher nicht ermitteln, wann die geschützte Bezeichnung und das Unternehmen British Berkefeld Filter Co. Ltd. in den Besitz der Firma Doulton gekommen ist.

Der Chamberland-Filter, auch als Pasteur-Chamberland-Filter bekannt, ist ein Wasserfilter aus Porzellan, der 1884 von Charles Chamberland erfunden wurde. Er wurde nach dem keramischen Wasserfilter von Henry Doulton aus dem Jahr 1827 entwickelt. Er ist im Prinzip dem Berkefeld-Filter ähnlich.

Charles Edouard Chamberland war einer der Assistenten von Louis Pasteur in Paris. Ursprünglich sollte mit dem Chamberland-Filter bakterienfreies, gefiltertes Wasser für die Experimente von Pasteur hergestellt werden.

Der Filter wurde zunehmend bekannt für seine Fähigkeit, Bakterien, die kleinsten damals bekannten lebenden Organismen, herauszufiltern. Der Filter wurde von Chamberland und Pasteur in Amerika und Europa patentiert. Ein amerikanisches Unternehmen lizenzierte den Namen in Ohio. Sie verkaufte die Filter an Privathaushalte, Hotels, Restaurants und an die Weltausstellung 1893 in Chicago.

Die Verwendung des Pasteur-Chamberland-Filters führte zu der Entdeckung, dass Diphtherie- und Tetanus-Toxine, neben anderen, auch nach der Filtration noch Krankheiten verursachen können. Die Identifizierung dieser Toxine trug zur Entwicklung von Anti-Toxinen zur Behandlung dieser Krankheiten bei. Es wurde auch entdeckt, dass eine Substanz, die zunächst als “filtrierbarer Virus” bezeichnet wurde, durch die kleinsten Pasteur-Chamberland-Filter hindurch ging und sich in lebenden Zellen vermehrte. Die Entdeckung, dass es biologische Einheiten gibt, die kleiner als Bakterien sind, war wichtig für die Etablierung des Fachgebiets der Virologie.

Der Ingenieur Wilhelm Berkefeld stammte aus Lüneburg und war zunächst als Buchhalter tätig. Als Alfred Nobel nach der Erfindung des Dynamits (patentiert 1867) große Mengen Kieselgur für seine Fabrik in Krümmel benötigte, erwarb Berkefeld mit finanzieller Unterstützung durch Nobel die Rechte an einer Kieselgurgrube bei Celle und lieferte dafür zu vergünstigten Preisen an Nobel.

Wilhelm Berkefeld erkannte die Filtereigenschaften von Kieselgur, der in seiner Heimat, der Lüneburger Heide, vorkam. Kieselgur besteht aus den Schalen fossiler Kieselalgen (Diatomeen) und hat eine hohe Filtrierfähigkeit. Selbst kleinste Keime und Bakterien können damit ausgefiltert werden. Berkefeld entwickelte aus diesem Material gebrannte Filterkerzen, die er seit 1892 in seinen Wasserfiltern einsetzte. 

Sie bestanden ihre Feuertaufe bei der Cholera-Epidemie in Hamburg 1892 in Hamburg im selben Jahr. Damit begann die Erfolgsgeschichte der Berkefeld-Filter, die von da an ihren Siegeszug in die ganze Welt antreten. Apotheken und Pharmazien in nahezu allen Ländern verkauften die Filter. Noch heute lernt jeder Mediziner in den ersten Semestern, dass man zur Vermeidung von Bakterien im Trinkwasser einen Berkefeld-Filter einsetzen kann.

1903 wurde der Berkefeld Wasserfilter zum ersten Mal in England vorgestellt, an der renommierten Oxford Street 121 in West London.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Berkefelds Firma im Zuge der deutschen Reparationsleistungen nach England verbracht und 1919 durch die Firma Slack & Brownlow übernommen. Diese stattete ihre »Brownlow Health Water Filter« nun ebenfalls mit Kieselgur-Filterkerzen aus. Die Namensänderung in British Berkefeld wies darauf hin, dass die Filter nun in England hergestellt wurden.

Der Berkefeld-Filter ist eine Anlage zur Wasseraufbereitung mittels Anschwemmfilter. Bis heute werden nach dem von Wilhelm Berkefeld erfundenen Verfahren Filteranlagen hergestellt, wenngleich auch mit modernen Materialien. Die Filter sind, aufgrund ihrer Robustheit, besonders in der internationalen Katastrophenhilfe beliebt. Sie werden unter anderem in den Emergency Response Units des Internationalen Roten Kreuzes oder dem EU-Zivilschutz-Mechanismus verwendet.

Das deutsche Unternehmen Berkefeld-Filter war bis 1978 in Familienbesitz und wurde danach Teil der SIHI-Gruppe (Siemen & Hinsch) aus Itzehoe. Seit 2004 ist Berkefeld Teil von Veolia, des weltweit größten Wasserversorgers, und firmierte seitdem gemeinsam mit der Laborwassersparte ELGA LabWater als ELGA Berkefeld GmbH. Vom Geschäft mit den mobilen Keramik-Wasserfiltern hatte man sich bereits seit langem verabschiedet.

Heute ist der Name Doulton weltweit die bevorzugte Wahl für kostengünstige und sichere mobile Trinkwasserreinigung an Orten, an denen Krankheitsausbrüche mit einer unzuverlässigen Wasserversorgung in Verbindung gebracht werden. Vom ursprünglichen Entwickler der Filtrationsmethode, Wilhelm Berkefeld, trägt  der Keramik-Schwerkraft-Filter nur noch den Namen. Denn die Ultra Sterasyl Schwerkraft Keramik Filterkerzen – das Herz des Edelstahl-Filters – werden seit vielen Jahren unter dem Dach der Firma Royal Doulton/ Fairey Industrial Ceramics hergestellt, mit Produktionsstandorten in Newcastle-under-Lyme und in Bangalore/ Indien. 

Unabhängig von dem Einsatz im Notfall, ist der Filter die beliebteste Wahl für die Reinigung von Leitungswasser in England und vielen weiteren Ländern der Welt – nicht zuletzt wegen des exzellenten Geschmacks, der den traditionellen britischen Afternoon-Tea zu einem Genuss werden lässt. 

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